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Sammelausstellung
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Sammelausstellung

Kunst trifft Soziale Arbeit und Stadtgesellschaft

Kooperationen zwischen der evangelischen Hochschule und dem Kunstmuseum Bochum

Zahlreiche künstlerische Projekte sind mit dem Bochumer Kunstmuseum, dem Lehrgebiet Ästhetische Bildung/Ästhetik und Kommunikation sowie Lehrenden und Studierenden anderer Studienbereiche geglückt. Mit Performances und Fotos zum Thema „Zeit“ begann im Jahr 2012 die Zusammenarbeit. Wie können dementiell veränderte Menschen im Museum einen Ort des Erlebens und Handelns finden? Diese Frage war im folgenden Jahr Ausgangspunkt für Präsentationen unter dem Titel „Immer der erste Moment“ (Kunst und Demenz), die Demenzkranke, ihre Angehörigen, Altenpfleger_innen, interessierte Bürger_innen und Studierende in einen Dialog brachten. Auch die große Fotoausstellung „Vorgestellt: ICH bin ICH“ widmete sich anlässlich der internationalen Tagung der EvH und der Diakonie RWL zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einer besonders verletzlichen Gruppe: Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Unter Beteiligung der Comenius Förderschule in Bochum konnten sich Menschen mit Behinderungen und Student_innen fotografisch selbst inszenieren und während einer Festveranstaltung im Museum ihre Werke bewundern. Wie bei allen gemeinsamen „künstlerischen Strategien“ bedurfte es auch beim „Shakespeare Universum“ im Jahr 2014 keiner besonderen Vorkenntnisse, sondern vor allem Neugier, Offenheit, Humor und der Bereitschaft, kreatives Arbeiten im Dialog in die Soziale Arbeit und die Stadtgesellschaft zu tragen. Die aktuellen Projekte beschäftigen sich mit dem Phänomen des „Sammelns“ von Alltagsgegenständen und präsentieren „Flüchtlinge im künstlerischen Dialog“.

Sammeln als Weltzugang

Vom 25.November 2016 bis zum 19. Februar 2017 stellten fünfzig Bürger_innen ihre privaten Sammlungen im Bochumer Kunstmuseum aus. Rund 7.000 Besucher_innen haben sich von Klapptoastern und Spekulatiusmaschinen, Nilpferden und Elefanten, Zuckerstückchen oder Zahnstochern bis zu vergessenen Dingen aus der U-Bahn bezaubern lassen. Warum sammeln Menschen? Anlass für die Frage war die politische Diskussion um die Erweiterung des Museums, das viele Werke aus Platzmange nicht zeigen konnte. Über eigene Forschungen fanden die Studierenden heraus: Es gibt wahre Enzyklopädisten, die sich die Welt zum Beispiel über Anstecknadeln aus Lebensbereichen wie Sport und Kultur erschließen. Es gibt biografisch motiviertes Sammeln, das begann, als die sterbende Mutter der Tochter einen Plüschelefanten schenkte, ein neuer Lebensabschnitt mit einer Eule begann oder Steven King in der DDR-Jugendzeit das Symbol der Freiheit war. Sammeln kann Ausdruck regionaler Verbundenheit sein oder historischen Interessen folgen. So erschließen sich Sammler_innen die Geschichte anhand von Wundverbänden oder mit Totenmasken von Musikern. Die Studierenden organisierten die „Wunderkammer“, die Sammler_innen erzählten von ihren Leidenschaften. Schulklassen und Kindergartengruppen, Menschen, die sonst nie ins Museum gehen, haben dieses niedrigschwellige, aber überwältigende Panoptikum der Weltzugänge erkundet. Nicht wenige sahen  bei der Gelegenheit auch ausgewählte Stücke der Bochumer Museumssammlung des Konzeptkünstlers Matthias Schamp und schrieben ihre Kommentare zur Auswahl von Sammelstücken des Museumsleiters Hans Günter Golinski auf.

Dauer: 25.11.2016-19.02.2017
Projektleitung: Prof. Dr. Helene Skladny
Kooperation-/Praxispartner: Kunstmuseum Bochum
Transferleistungen des Projekts: zwei öffentliche Zusatzveranstaltungen, ein Fachtag, Ausstellung im Bochumer Kunstmuseum
Ergebnisse/Veröffentlichungen: zahlreiche Veröffentlichungen in der Lokalpresse und dem Westdeutschen Rundfunk
Projekttyp: eigene Ressourcen

Mit Flüchtlingen im künstlerischen Dialog

„Sigurd Hebenscheid, der Flüchtlingsbeauftrage in Witten und frühere Elementarpädagoge an der ev. Hochschule beobachtete, dass die Flüchtlinge nur als homogene Masse wahrgenommen wurden und fragte: Können wir nicht ein künstlerisches Projekt machen, das ihnen ein Gesicht gibt“, erzählt Professorin Helene Skladny, die Leiterin des Werkstattprojektes „Gesicht zeigen! Fotodialoge nach der Flucht“. Noch ein weiteres, medial weitverbreitetes Stereotyp sollte mit künstlerischen Mitteln hinterfragt werden: Die Illusionen des starken Helfers und des hilflosen Geholfenen. Nach einem Theorietag zur Flüchtlingsproblematik entwickelten die Studierenden der Sozialen Arbeit und der Elementarpädagogik ein künstlerisches Konzept: fünfzehn geflohene Menschen aus Nigeria, Syrien oder Afghanistan verbrachten einen Tag mit jeweils einem oder einer Studierenden in Parks, Cafés oder andernorts und feierten gemeinsam. Dann erarbeiteten die ungewöhnlichen Tandems Porträtinseln im Dialog. Sie versammelten  neben einem professionellen Foto weitere  Zeichnungen, Fotos, Texte und Skizzen, die während ihrer Begegnung entstanden: Cassandra aus Afrika mit ihrer Tochter im Park; Bright und seine deutsche Kollegin mit Handyaufnahmen und Gesprächsfetzen über Voodoo-Kult; Nasrin und ihr zukünftiges Leben als Christin in Deutschland oder Khaled und seine Fluchtgeschichte. Gezeigt wurden die Inseln in der EvH RWL und dem Pädagogisch Theologischen Institut in Bonn. Dort wird das Projekt jetzt auch von Studierenden und Lehrenden fortgesetzt. Anfragen, die Ausstellung in anderen Städten zu zeigen, gibt es bereits.

Über Malkurse für geflohene Frauen und ihre Kinder im Bochumer Flüchtlingscamp begegneten Helene Skladny und ihre Student_innen Thana Habasch aus Aleppo. Sie ist keine Künstlerin, sondern Schneiderin. Aber malend hat sie ihre Erfahrungen über Krieg, Flucht, das Leben im Camp und ihre Zukunftshoffnungen in über 200 Bildern zum Ausdruck gebracht. Eine Auswahl ihrer Bilder ist unter dem Motto „Ich bin eine Kurdin aus Aleppo“ ebenfalls Teil der Ausstellung geworden.

Dauer: 03.11. 2016-03.03.2017
Projektleitung: Prof. Dr. Helene Skladny
Kooperation-/Praxispartner: Flüchtlingshilfe Witten, Johanniskirche Bochum, Pädagogisch Theologisches Institut der ev. Kirch im Rheinland, Bonn
Transferleistungen des Projekts: Fachtag zur Flüchtlingsproblematik, Ausstellung in Witten und Bonn
Ergebnisse/Veröffentlichungen: Sigurd Hebenstreit/Helene Skladny. Flüchtlingen ein Gesicht geben in. Gerhald K. Schäfer u.a.. Geflüchtete in Deutschland, Göttingen 2017 sowie zahlreiche Medienberichte
Projekttyp: eigene Ressourcen