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Jubiläum: Drei Jahrzehnte Pflegestudium an der EvH 
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Jubiläum: Drei Jahrzehnte Pflegestudium an der EvH 

Pflegenotstand war bereits im Jahr 1995 ein bestimmendes Thema im Gesundheitswesen: Damals gingen viele Beschäftigte auf die Straße, um bessere Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen einzufordern. Die Evangelische Hochschule Bochum (EvH Bochum) reagierte auf den Fachkräftebedarf mit der Gründung des damals völlig neuartigen Studiengangs „Pflege“ – und gehörte damit zu den Vorreiterinnen in der Hochschullandschaft. Heute, 30 Jahre später, steht die Pflegebranche weiterhin unter erheblichem Druck: In Deutschland sind Ende 2024 rund 5,6 Millionen Menschen pflegebedürftig. Ihre Zahl hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die Anstrengungen an der EvH, Pflegeberufe weiter zu akademisieren und so Versorgung zu verbessern, gehen darum unermüdlich weiter.

„Die Situation verdeutlicht, dass der Fachkräftemangel kein vorübergehendes Phänomen ist, sondern strukturelle Ursachen hat – und dass die akademische Pflegeausbildung eine entscheidende Rolle spielt, um dem wachsenden Bedarf zu begegnen“, sagt Studiengangsleiterin Prof. Dr. Karin Tiesmeyer im Festakt zum Jubiläum. „Uns treibt schon immer die Frage an: Wie begeistern und qualifizieren wir mehr Leute für den Pflegeberuf?“

Ganz nah dran an der Praxis

Denn der tatsächliche Bedarf an Fachpersonal ist riesig groß. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich das Pflegestudium an der EvH Bochum immer weiter ausdifferenziert. Neben der Pflegewissenschaft kamen neue Bachelorstudiengänge in den Bereichen „Gesundheits- und Pflegemanagement“ und jüngst „Pflegepädagogik“ hinzu – gepusht von den vielen Praxispartnern der Hochschule und den Studierenden selbst. „Dadurch, dass unsere Studiengänge auf eine berufliche Qualifizierung aufbauen, bringen die Studierenden bereits viele Kompetenzen mit und wissen am allerbesten, wo die täglichen Herausforderungen im Beruf liegen“, berichtet Prof. Dr. Andrea Kuhlmann, Lehrende im Bereich Pflegepädagogik. Der Transfer zwischen Theorie und Praxis war darum von Anfang an ein wesentlicher Baustein in den unterschiedlichen Pflegestudiengängen der EvH.

Und noch eins haben alle Pflegestudiengänge gemeinsam, so Prof. Kuhlmann weiter: „Es geht vor allem darum, eine wissenschaftliche Perspektive in die Praxis zu bringen und damit die Versorgung ganzheitlich zu verbessern. Wir wollen unsere Absolvierenden dazu befähigen, Veränderungsprozesse im Gesundheitswesen aktiv mitzugestalten. Darum geht es im Studium auch um Projektmanagement und Innovationen – also um die Fragen: Wie lassen sich neue Ideen strukturiert in Organisationen einführen? Welche technischen Hilfsmittel eignen sich, um die Versorgung zu verbessern?“

Pflege akademisieren, bessere Bedingungen schaffen

„Vor 30 Jahren setzten wir mit den ersten Pflegestudiengängen einen Meilenstein“, sagt Rektorin Prof. Dr. Dr. Sigrid Graumann in ihrer Festrede. „Dabei kam der Antrieb von Anfang an aus der Basis. Es war also ein echter Bottom-up-Prozess. Das Anliegen war und ist durch Akademisierung neue Perspektiven zu eröffnen, auf neue Bedarfe zu antworten und dabei die Menschen, in den Mittelpunkt zu stellen – Patient_innen, die unter immer komplexeren Bedingungen auf gute Pflege angewiesen sind und Pflegekräfte, die oft unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Gleichzeitig wollen wir in diesen Themenfeldern Forschung betreiben. Aber im internationalen Vergleich ist bundesweit noch deutlich Luft nach oben.“ Sie fordert deswegen: „Pflege kann mehr – nun muss die Politik die richtigen Voraussetzungen dafür schaffen, dass das Knowhow auch dort ankommt, wo es so dringend gebraucht wird.“

Dies sei eines der größten strukturellen Probleme, wenn es darum geht, in Zukunft eine Versorgungssicherheit zu garantieren, betont auch Prof. Tiesmeyer: „Zwar wurden in Deutschland intensiv Pflegestudiengänge aufgebaut, aber gleichzeitig hat man versäumt, die passenden Arbeitsplätze in der Praxis zu schaffen, also den akademisierten Pflegenwissenschaftler_innen andere, ganz neue Berufsperspektiven zu eröffnen.“ Dabei zeigten großangelegte Studien, dass etwa Sterberaten niedriger würden oder es zu weniger Komplikationen komme, wenn die Pflegekräfte entsprechend qualifiziert seien, so Prof. Tiesmeyer. „Wir sehen, dass sich die soziale Teilhabe erhöht und gleichzeitig die Patient_innen zufriedener sind. Auch die Pflegekräfte selbst sind zufriedener, wenn sie ihre Qualifikation sinnstiftend einsetzen können – das verbessert wiederum die Bindung von Beschäftigten. Und das brauchen wir unbedingt.“



Festakt zum Jubiläum

Zum 30. Geburtstag hatte die Hochschule viele Wegbegleiter_innen, Studierende und Akteure aus den kooperierenden Praxisinstitution eingeladen, darunter auch Klaus Meinert, ehemaliger Kanzler der Hochschule, der die Entwicklung des Studiengangs zusammen mit dem damaligen Rektor Herr Prof. Dr. Schmidt stark gefördert hat. Prof. Dr. Karin Tiesmeyer und Prof. Dr. Reinhard Lenz führten durch das Programm. Am Ende der Veranstaltung versammelten sich die Beteiligten noch zu einem „Stand-up für die Pflege“ – in einer angeregten Podiumsdiskussion tauschten sich Sabine Kesting, Pflegedirektorin Katholisches Klinikum Bochum​, Dr. Bodo de Vries aus der Geschäftsführung des Ev. Johanneswerks, Jürgen Drebes von der Pflegekammer NRW und Prof. Dr. Dieter Heitmann von der EvH Bochum​ über die kommenden Herausforderungen und mögliche Lösungen aus. Tenor: Pflege braucht mehr gesellschaftliche Anerkennung, eine gerechtere Vergütung und bessere politische Rahmenbedingungen.


Die hauptamtlich Lehrenden in der Pflege setzen sich insbesondere für einen guten Theorie-Praxis-Transfer ein (v.l.n.r.): Prof. Dr. Andrea Kuhlmann, Prof. Dr. Karin Tiesmeyer, Prof. Dr. Miriam Ballschmieter, Prof. Dr. Reinhard Lenz und Prof. Dr. Birgit Schuhmacher. (© EvH Bochum)

Bildergalerie

Hier finden Sie unsere Bildergalerie vom Festakt zum 30-jährigen Jubiläum (©EvH Bochum).

Bochum, den 19.11.2025

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