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Diversity-Konferenz: Chancen trotz vieler Krisen
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Diversity-Konferenz: Chancen trotz vieler Krisen

Am Deutschen Diversity-Tag setzen Unternehmen und Institutionen bundesweit Zeichen für eine vorurteilsfreie Arbeitswelt, Inklusion und Vielfalt. Der Aktionstag am 19. Mai fördert die Wertschätzung aller Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung oder Alter. Schon einen Tag zuvor fand an der EvH Bochum eine große Diversity-Konferenz zum Thema „Konfliktlinien aufbrechen: Diversität und Soziale Arbeit in der Polykrise“ statt. In Kooperation mit dem Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. (Diakonie RWL) bietet die Hochschule die Konferenz seit vielen Jahren als Zertifikatskurs „Basisqualifikation für eine diversitätssensible, professionelle Praxis“ für soziale Berufe an. Rund 200 Teilnehmende kamen zusammen, um sich in Vorträgen und Workshops auszutauschen und gemeinsam Strategien für die tägliche Arbeit zu entwickeln – gegen Vorurteile und Hass und für mehr Zusammenhalt und Vielfalt.

Polykrise? Was ist das?

„Die Krisen in unserer Gesellschaft nehmen zu: wirtschaftlich, sozial, ökologisch, politisch“, erklärt Prof. Dr. Lorenz Narku Laing. Der Rassismusforscher hat die Tagung gemeinsam mit Prof. Dr. Cinur Ghaderi an der EvH organisiert. „Wir versuchen, Lösungsansätze zu erarbeiten und diesen Krisen zu begegnen. Wie können wir Rassismus bekämpfen? Wie können wir dabei helfen, dass Populismus und Sexismus nicht zunehmen? Und wie können wir für mehr sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft sorgen?“

Ein wirksames Mittel sei, erst einmal zu verstehen, was Rassismus überhaupt ist, wie er funktioniert und in welchen Ausprägungen er unsere Gesellschaft beeinflusst. Darum drehte sich auch die vielbeachtetet Key-Note von Gastredner Prof. Dr. Karim Fereidooni. Der Experte von der Ruhr-Universität Bochum sprach zum Thema „Antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus in der Gesellschaft und in der Schule“. Er warnt: „Der Begriff ‚Kultur‘ ist inzwischen leider ein Sprachversteck für ‚Rasse‘ geworden.“ In Aussagen wie „die ‚afrikanische Kultur‘ ist anders“ oder die ‚islamische‘ Kultur gehört hier nicht hin, werde so der eigentliche Rassismus verschleiert. Dabei seien Bildungsgrad oder Einkommen irrelevant, wenn es um die Einstellung zu Diversität geht. „Auch ist es kein Generationenkonflikt, kein Kampf von alt gegen jung: Viele Statistiken zeigen, dass auch ein hoher Anteil junger Menschen rechte Parteien wählt oder Aussagen zustimmt wie ‚Muslime bleiben lieber unter sich‘.“


Prof. Dr. Karim Fereidooni präsentiere in seiner Key Note aktuelle Studien, die das Erstarken von Rassismus und Antisemitismus untermauern. (© EvH Bochum)

Wie lassen sich Konflikte aufbrechen?

Die Erfahrungen zeigen: Interkulturelle Kontakte auf Augenhöhe sind ein gutes Mittel, damit Menschen sich neu begegnen und Vorurteile abbauen können, sagt Oberkirchenrätin Henrike Tetz von der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Hürden abbauen, ist anstrengend – aber es lohnt sich. Durch Informationen, Empathie und Möglichkeiten zum Perspektivwechsel können wir ‚Aha-Effekte‘ erzeugen, die positive Energie freisetzen und Begegnungen schaffen, die Spaß machen.“

Für soziale Berufe ergeben sich daraus Fragen wie „Wie können Menschen stärken, Vorbilder schaffen, Strukturen verändern, aber auch dafür sorgen, dass Chancen, Möglichkeiten und Geld umverteilt werden?“ sagt Prof. Laing. Wie das konkret in der Praxis gelingen kann, diskutierten und erprobten die Teilnehmenden in den vielen Workshops der Diversity-Konferenz, u. a. zu Extremismusprävention in sozialen Medien oder Lösungsansätzen aus der Antidiskriminierungsarbeit.


Austausch zwischen Hochschule und Praxis: Prof. Dr. Lorenz Narku Laing sprach auf der Diversity-Konferenz über Lösungsansätze für eine diversitätssensible Soziale Arbeit. (EvH Bochum)

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