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Master Management: Praxis und Wissenschaft im Dialog
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Master Management: Praxis und Wissenschaft im Dialog

Kann ein Mitarbeitenden-Gespräch wirklich etwas verändern? Und was braucht es, damit Beschäftigte und Führungskräfte nicht nur ein Formular abhaken, sondern tatsächlich miteinander in den Austausch und zu passenden Lösungen kommen? Mit diesen Fragen begann an der EvH Bochum ein ungewöhnlicher wissenschaftlicher Dialog.

Ausgangspunkt war ein Artikel von Daniel Craffonara, Coach für Entwicklung, Führung und Organisationskultur sowie Geschäftsführer einer Non-Profit-Organisation im Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz. In der Fachzeitschrift „Systhema“ beschreibt er, wie sich klassische Mitarbeitenden-Gespräche mit systemischen Fragen weiterentwickeln lassen. Statt ausschließlich über Leistungen oder Ziele zu sprechen, eröffnen Fragen wie „Was vermutest Du, wie Deine Kolleg*innen Dich in der alltäglichen Arbeit erleben?“ oder „Welche Aufgaben würdest Du gerne abgeben, wenn alles möglich wäre?“ neue Perspektiven und helfen dabei, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.


Daniel Craffonara (Mitte) in der Diskussion mit Master-Studierenden. (©EvH Bochum)

Selbst- und Fremdwahrnehmung abgleichen

„Systemisch geführte Gespräche bringen Mitarbeitende dazu, sich selbst zu reflektieren und nicht nur von der Führungskraft zu hören, wie sie gesehen werden. Und auch die Führungskräfte werden dazu angeregt, ihr Verhalten zu hinterfragen“, erklärt Craffonara. „So lassen sich Selbst- und Fremdwahrnehmung besser miteinander abgleichen und Herausforderungen gemeinsam bearbeiten, statt Lösungen einfach von oben vorzugeben.“

Im Seminar des Masterstudiengangs „Management, Ethik und Transformation sozialer Organisationen“ nahmen die Studierenden diese Ideen jedoch nicht einfach hin. Unter der Leitung von Prof. Dr. Alexandra Lehmann verglichen sie sie mit ihren Erfahrungen aus unterschiedlichen sozialen Organisationen – und stellten fest: Gute Ideen stoßen im Arbeitsalltag manchmal an Grenzen. „In der Diskussion mit den Studierenden, die alle bereits in der Praxis tätig sind, stellten wir schnell fest: Dort, wo die Leitfäden schon gut ausgearbeitet und die Mitarbeitenden zufrieden mit der Durchführung der Gespräche sind, wird ein systemisches Umarbeiten gar nicht als notwendig angesehen. Und dort, wo die Leitfäden wenig ausgearbeitet sind, fehlt gleichzeitig die Unternehmenskultur, die ein systemisches Umarbeiten sinnvoll machen würden“, erklärt Prof. Dr. Alexandra Lehmann.

Wunschdenken vs. Realität

Masterstudentin Anna-Lena Blechschmidt, die bei einer Berufsgenossenschaft arbeitet, fasst es so zusammen: „Es kann sehr schwer sein, in eine Welt, die nicht systemisch geprägt ist, den Gedanken der systemischen Gesprächsführung einzubringen. Die Realität und die Organisationskultur sehen oft anders aus – auch wenn die Idee an sich überzeugt.“ Gemeinsam mit ihren Kommiliton_innen verfasste sie daraufhin eine wissenschaftliche Erwiderung. „Unser Artikel ist kein Gegenentwurf, sondern eine Ergänzung“, betont sie.

Dass daraus schließlich ein persönliches Treffen mit dem Autor entstand, war alles andere als selbstverständlich. Craffonara nahm die Einladung der Hochschule gerne an – und zeigte sich offen für die kritischen Rückfragen. „Für mich war es sehr spannend, Menschen aus ganz anderen Arbeitskontexten kennenzulernen“, sagt er. Die Skepsis der Studierenden könne er gut nachvollziehen: „Natürlich ist es nicht überall gleich einfach, systemisches Denken in Organisationen einzubringen. Manche stehen an einem ganz anderen Punkt.“

Im gemeinsamen Gespräch wurde schnell deutlich: Ein einzelner neuer Gesprächsleitfaden macht noch keine neue Organisation. Genau das hatten Prof. Dr. Alexandra Lehmann und die Studierenden in ihrem Artikel herausgearbeitet. Craffonara stimmt zu und wirbt dennoch dafür, den ersten Schritt zu gehen. „Wenn man immer nur den großen Berg sieht, fängt man gar nicht erst an. Ich würde empfehlen, zunächst im eigenen Team systemischer zu arbeiten und zu schauen, was daraus entsteht. Hin und wieder mal systemische Fragen zu stellen, kann ein ganz einfacher und wirkungsvoller erster Schritt sein.“


Die Masterstudentin Anna-Lena Blechschmidt bringt ihre Praxiserfahrung in die Diskussion und den Fachartikel ein. (©EvH Bochum)

Mut zur Veränderung

Auch Anna-Lena Blechschmidt nimmt aus dem Austausch vor allem Mut mit. Systemische Mitarbeitenden-Gespräche seien „ein wertvolles Tool, um sich selbst und Arbeitsabläufe zu reflektieren – und für Führungskräfte ein Ort des gegenseitigen Dazulernens“. Das Entscheidende sei, dass sie nicht als zusätzliche Belastung empfunden würden. „Wir sind ohnehin alle überlastet. Deshalb braucht es Zeit und Freiräume, damit man sich ehrlich auf solche Gespräche vorbereiten kann.“ Besonders bereichernd war für die Studierenden auch die gemeinsame wissenschaftliche Veröffentlichung. „Man erlebt Selbstwirksamkeit, weil man etwas schafft, das tatsächlich wahrgenommen wird“, sagt Blechschmidt. „Dadurch haben wir gemerkt, dass viel mehr möglich ist als das, was wir aus unserem Arbeitsalltag kennen.“

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Projekts: Wissenschaft endet nicht mit einer Veröffentlichung. Sie beginnt dort, wo unterschiedliche Erfahrungen aufeinandertreffen, Fragen zugelassen werden und aus verschiedenen Perspektiven neue Ideen entstehen.


Weiterlesen?

  • Ursprungsartikel: Craffonara, D. (2025): Mitarbeiter*innengespräche systemischer gestalten. In: Systhema, Jg. 39, Heft 2, 119-127. (s. auch: https://if-weinheim.de/systhema/systhema-2025#c3541; 21.05.26)

  • Antwortartikel: Lehmann, A. / Studierende des Master-Studiengangs „Management in sozialwirtschaftlichen und diakonischen Einrichtungen“ an der Evangelischen Hochschule in Bochum (in Druck): Systemische Mitarbeiter*innengespräche in der praktischen Reflexion. In: Systhema, Jg. 40, Heft 2.

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