Tomaten, Bohnen, Chilipflanzen und jede Menge frische Kräuter bringt Ibrahim Sausan in die lockere Erde. Der Junge aus Syrien füllt so nach und nach das erste große Hochbeet an der Flüchtlingsunterkunft „Auf der Heide 32“ in Bochum. Beim Aussähen und Pflanzen wird er unterstützt von vielen engagierten Studierenden der EvH Bochum, die hier ihr Praxisprojekt umsetzen. „Wir wollen grüne Orte schaffen, an denen die Menschen sich begegnen und das Leben in der Flüchtlingsunterkunft aktiv mitgestalten können“, erklärt Christopher Moyzio, der an der EvH „Heilpädagogik und Inklusive Pädagogik“ studiert. Grünräume gelten schon lange als wichtige Gesundheitsressourcen und „Urban Gardening“ wird erfolgreich als Maßnahme zu Stressabbau und Teilhabeförderung für geflüchtete Menschen angewendet. Zur Umsetzung der Idee hat das Umweltamt der Stadt Bochum insgesamt acht Hochbeete zur Verfügung gestellt, die an einem sonnigen Tag Anfang Mai befüllt werden.
Nabila, eine der geflüchteten Frauen in der Unterkunft, freut sich sehr über die Hochbeete. Es sei ein Stück Heimat, direkt vor der Tür frische Kräuter für Tees und zum Kochen zu haben. „Geflüchtete Menschen können durch Fluchtgründe und -erfahrungen, aber auch bei und nach der Ankunft zahlreichen belastenden Situationen ausgesetzt sein“, sagt Dr. Hendrik Baumeister, Professor für „Inklusive Quartiersentwicklung“, der das Projekt betreut. „Es bestehen hohe und langfristige Risiken für die psychische Gesundheit und aus unserer Sicht somit sozialarbeiterischer, gesundheitlicher sowie heil- und inklusivpädagogischer Handlungsbedarf.“
Schon an Tag 1 trägt das Projekt der Studierenden Früchte: Die Bewohner_innen der Unterkunft kommen zusammen, um zu helfen und gemeinsam zu kochen. Mit den Kindern bemalen die Studierenden Steine und basteln kleine Verschönerungen für die neue Gartenlandschaft. All das trägt insgesamt dazu bei, die Atmosphäre auf dem Gelände zu verbessern. Das freut auch den Träger der Unterkunft, PlanB Ruhr, und die zuständigen Sozialarbeiter_innen Patrizia Croitoru und Firat Bulgurcu, die übrigens selbst beide an der EvH studiert haben. „Alle waren sofort Feuer und Flamme“, sagt Prof. Baumeister. „Über ihre Offenheit und guten Willen, so ein Garten-Projekt mit uns aufzubauen und umzusetzen, haben wir uns sehr gefreut.“
Wie es mit den zarten Pflänzchen jetzt weitergeht? „Wir haben schnell gemerkt, wie willkommen dieses Projekt ist“, sagt Hendrik Baumeister. „Die Menschen haben schon bei den Planungen tatkräftig mitgewirkt. Da sind wir sehr zuversichtlich, dass die Beete schnell von den Bewohner_innen und insbesondere von den Kindern angenommen, gepflegt, beerntet und wieder bestellt werden.“

Schaffen mit ihrem Hochbeete-Projekt grüne Begegnungsorte (v.l.n.r.): Prof. Dr. Hendrik Baumeister von der EvH Bochum, Christopher Moyzio, Ibrahim Sausan und Johanna Skrzypczak. (© EvH Bochum)
Das Praxisprojekt wurde in Kooperation mit der Stadt Bochum, dem Tafelgarten der GAFÖG und dem sozialen Träger PlanB Ruhr entwickelt und umgesetzt. Weiterer Dank gilt benachbarten Akteuren im Quartier wie Bäckerei Schmidtmeier, dem Baustoffhandel Bauking und REWE Lenk. Zudem freut sich das Projekt über Material, Pflanzen und Saatgut von Dehner Garten-Center Witten, Hagebaumarkt Ziesak, Bauhaus Hofstede und Schley’s Blumenparadies.