Der Begriff „Mission“ triggert: Bei vielen Menschen löst er eine starke Abwehrreaktion aus. Denn er ist historisch geprägt durch Kolonialismus, Machtgefälle und Unterdrückung. „In der Vergangenheit ist viel falsch gelaufen und die eigentlich positive Botschaft wurde bis heute verfälscht“, sagt Sarah Gatawis, die an der EvH Bochum studiert. In ihrer Abschlussarbeit hat sie sich damit auseinandergesetzt, wie moderne Mission gelingen kann, was sie heute überhaupt bezweckt und welche Lehren sich aus ihrer problematischen Geschichte ziehen lassen. Dafür wurde die 24-Jährige jetzt vom Verband Evangelischer Diakonen-, Diakoninnen- und Diakonatsgemeinschaften in Deutschland e.V. (VEDD) ausgezeichnet.
„Mission hatte im historischen Kontext problematische Ausmaße. Das muss man ganz klar so benennen“, sagt Sarah Gatawis ernst. „Der eigentliche Auftrag, den Glauben oder die Zuwendung zu den Menschen zu bringen, hat sich sehr schnell mit Herrschaft und Zwang vermischt. Es ist also genau das Gegenteil von dem eingetreten, was die gute Nachricht eigentlich bezwecken will“, erklärt die gebürtige Hernerin, die an der EvH „Gemeindepädagogik und Diakonie“ studiert hat und nun noch einen Doppelbachelor in „Sozialer Arbeit“ absolviert.

Sarah Gatawis will Menschen mit unterschiedlichen Glaubensvorstellungen miteinander in den Austausch bringen. Für die Studierende stehen Nächstenliebe, Dialog und die gute Nachricht im Mittelpunkt. (© EvH Bochum)
Gleichzeitig trage auch ein individualisierter Lebensstil dazu bei, dass Mission heute eher negativ eingestuft werde: „In unserer Gesellschaft ist ein Voneinander-Lernen nicht mehr so wichtig. Die Leute sagen eher ‚das ist mein Leben‘ und ‚ich finde selbst meinen Weg‘, anstatt sich auf andere Positionen einzulassen und in den Austausch zu kommen.“
Wie kann Mission im modernen Sinn trotzdem noch funktionieren? „Ich verstehe Mission noch immer als einen wichtigen Teil des kirchlichen Auftrags“, sagt die Studierende, die ihren Glauben schon immer als wichtigen Teil ihres Lebens versteht. „Wir sind auf die Welt gesandt, um für unsere Mitmenschen einzutreten und auch dass wir davon erzählen können, was uns begeistert und was uns guttut.“ Dafür hat die Studierende die Idee von den „Plaudertischen“ entwickelt: Mitten im öffentlichen Raum laden sie Menschen dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen – über den Alltag, persönliche Fragen oder den Glauben – auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch kommen, statt Überzeugungsarbeit.
Damit Mission künftig so funktionieren kann, fordert Sarah Gatawis einen kritischeren Umgang, mehr Reflexion und einen neuen ganzheitlichen Ansatz: „Es geht nicht darum, in andere Länder zu reisen und die Menschen von meinem Glauben zu überzeugen. Unser Auftrag findet vielmehr im Hier und Jetzt statt, er lautet: Liebe Deine Mitmenschen! Seid füreinander da – und zwar über das reine Reden hinaus! Im Mittelpunkt steht also nicht die Mitgliedergewinnung, sondern die gute Nachricht weiterzutragen, z. B. mit diakonischen oder seelsorgerischen Angeboten.“
In ihrer Bachelorarbeit hat Sarah Gatawis Kriterien für eine moderne Mission entwickelt:
Die Bachelorarbeit „Triggerpunkt Mission. Zur Entwicklung eines Begriffs und aktuelle Konsequenzen für die Gemeindepädagogik“ ist hier auf der Website des VEDD kostenlos abrufbar.

Wie ist Mission heutzutage zu verstehen? Damit hat sich Studentin Sarah Gatawis von der EvH Bochum in ihrer prämierten Abschlussarbeit auseinandergesetzt.
(© EvH Bochum)
Bochum, den 20.08.2026