Sie empowern Menschen und helfen, Barrieren zu überwinden: Fachkräfte, die in der Eingliederungshilfe arbeiten, setzen sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung so gut wie möglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Sie unterstützen im Alltag, beraten und fördern, machen Ausflüge oder bieten je nach Schweregrad eine vollumfängliche Pflege. In Zeiten des Fachkräftemangels werden diese wichtigen Unterstützer_innen aber immer weniger. Die soziale Teilhabe ist gefährdet. Seit 2024 erforscht die EvH Bochum darum in einem großangelegten Modellprojekt, wie Fachpersonal in der Eingliederungshilfe gewonnen und langfristig gebunden werden kann. Dazu arbeiten die Forschenden eng mit der Evangelischen Stiftung Hephata zusammen.
Die Sozialstiftung NRW fördert das Projekt an der EvH mit 700.000 Euro bis 2027. Der vollständige Projekttitel lautet „Handreichung zur Umsetzung einer selbstbestimmten und teilhabeorientierten Unterstützung vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in der Eingliederungshilfe“, kurz STUFE.
„Wir wollen neue Wege erproben und neue Impulse für die Unterstützung der Zukunft setzen“, sagt Projektmitarbeiter Fabian Rietz. „Darum gucken wir uns das große Ganze an: Wie spielen organisatorische Rahmenbedingungen, strukturelle Anforderungen und professionelles Handeln zusammen?“ Jetzt – zur Halbzeit des Projekts – gibt es schon erste grundlegende Erkenntnisse: „Unsere Erhebungen zeigen: Im Mittelpunkt steht der Mensch. Wichtig sind verlässliche Beziehungen, das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse und der respektvolle Umgang mit Selbstbestimmung und Privatsphäre. Klare Abläufe geben Sicherheit, können aber flexibel an unterschiedliche Situationen angepasst werden. Besonders wichtig sind dabei die kleinen, informellen Gespräche und Kontakte, die den Alltag prägen und die Unterstützung stabil machen. Führungskräfte sorgen für Orientierung, koordinieren die Arbeit und stehen als fachliche Ansprechpartner_innen bereit. Auch organisatorische Strukturen und welche Räumlichkeiten zur Verfügung stehen beeinflussen den Erfolg der Arbeit.“
Im Kern geht es um die Frage: Wie lassen sich Strukturen und Abläufe optimieren, damit Mitarbeitende zufrieden sind und möglichst lange im Unternehmen bleiben? „Dabei kann die Sicht der Beschäftigten durchaus von den Vorstellungen und Planungen des Trägers abweichen und umgekehrt“, so Rietz. Bestenfalls könne der Verwaltungsaufwand reduziert werden, so dass mehr Freiräume für die Arbeit mit den Klient_innen entstehen.
„Bei unseren Untersuchungen beziehen wir ganz bewusst die Klient_innen selbst ein: Welche Unterstützung benötigen sie konkret? Was wünschen sie sich von den Bewerber_innen, die sie später einmal unterstützen? Im engen Austausch finden wir so heraus, was Menschen mit Behinderung wirklich brauchen.
Dafür wurde innerhalb des Projektes ein eigener Expert_innenrat mit Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen gegründet sowie ein Beirat, der sich aus Vertretungen der Politik, Wissenschaft, Leistungserbringern und -trägern zusammensetzt. Alle Fragen und Erkenntnisse, die sich im Projektverlauf ergeben, werden in diese Kreise zurückgespielt und diskutiert. „Einerseits können wir so reflektieren, ob wir mit unseren Annahmen richtig liegen – oder ob Menschen mit Behinderung die Dinge ganz anders sehen“, erklärt Rietz. „Andererseits entstehen im Expert_innenrat auch ganz neue Ideen, die unser Projekt bereichern, z. B. der Impuls, Erklärvideos über die eigene Einrichtung zu drehen und die Besonderheiten herauszustellen. Oder in Schulen zu gehen und über die Arbeit in der Eingliederungshilfe zu berichten, um jungen Menschen diesen Berufszweig näher zu bringen. Leider sind vielen jungen Menschen die Wege in die Eingliederungshilfe kaum bekannt. Das wollen wir langfristig ändern.“

© Ev. Stiftung Hephata