Peter August Böckstiegel (1889-1951) war ein bedeutender Vertreter des Westfälischen Expressionismus – und damit den Nazis ein Dorn im Auge. Er wählte oft seine westfälische Heimat, insbesondere das bäuerliche Leben in Werther und Umgebung als Motiv. So wie in dieser Kaltnadelradierung aus dem Jahr 1921, die jetzt im Fokus eines Vortrags im Fritz Bauer Forum am Do, den 19. Februar, steht. Denn der Maler galt in der NS-Zeit als „entartet“. Das Werk „Bauernhof in Werther“ war bis 1937 Teil der Sammlung der Städtischen Gemäldegalerie Bochum, dem Vorläufer des heutigen Kunstmuseums, bis es von den Nazis beschlagnahmt wurde und 1945 in Privatbesitz überging, berichtet Prof. Dr. Dr. Martin Langanke. In seinem Vortrag beleuchtet der Ethiker von der EvH Bochum die NS-Aktion „Entartete Kunst“ im Spannungsfeld von Ästhetik, Ideologie und Erinnerung.
Wie lief die flächendeckende Beschlagnahmung konkret ab? Wie lassen sich Opfer und Täter der Aktion unterscheiden? „Nicht alle der betroffenen Künstler_innen waren nämlich automatisch auch politische Gegner des Nationalsozialismus“, sagt der Experte. „Anhand vieler Beispiele zeigt sich, wie breit die Spannweite zwischen NS-Sympathisant_innen, echten politischen Gegner_innen, rassisch oder eugenisch Verfolgten oder Opportunist_innen verschiedenen Grades war.“ Im Vortrag diskutiert Prof. Dr. Dr. Martin Langanke, wie zwischen künstlerischem Widerstand und ideologischer Nähe differenziert werden kann – um so langfristig eine Erinnerungskultur zu ermöglichen, die moralisch und ethisch eindeutig ist.

Beitragsbild: Peter August Böckstiegel, Bauernhof in Werther, 1921, Kaltnadelradierung. Signiert, datiert, lokalisiert und technikbezeichnet, Blattmaß (B x H) 50 x 70 cm. Ehemals Städtische Gemäldegalerie Bochum, Datum der Beschlagnahme, 08.09.1937 (NS-Inventarnummer 13280). Seit 1945 in Privatbesitz. (©M.L.)
Vortrag: Die Aktion „Entartete Kunst“ im Kontext der NS-Kunstpolitik – Ethische Perspektiven für heute
Wann: Do, 19.02., 18:00 Uhr
Wo: Fritz Bauer Forum, Feldmark 107, 44803 Bochum
Eintritt frei.
Prof. Dr. Dr. Martin Langanke, geboren 1972 in Augsburg, ist seit 2019 Professor für Ethik an der Evangelischen Hochschule Bochum (EvH Bochum). Nach Promotion und Habilitation forscht er heute u. a. zu pflege- und medizinethischen Fragestellungen sowie zu ethischen Aspekten des Umgangs mit den Folgen der NS-Kunstpolitik.