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Evangelische Kirche im Ruhrgebiet tagt an der EvH
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Evangelische Kirche im Ruhrgebiet tagt an der EvH

„Geflüchtete in Deutschland“: So lautete das Thema, mit dem sich jetzt die Ruhrsuperintendenten auf ihrer Frühjahrstagung an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe (EvH RWL) beschäftigten. Ausgehend von der gleichnamigen Buchveröffentlichung der Diakonie, der EvH und der Ruhrsuperintendenten-Konferenz machten sich die Vertreter von Diakonie und der 15 evangelischen Kirchenkreise im Ruhrgebiet auf die Suche nach „Ansichten – Allianzen – Anstößen“ – so der Untertitel des Buches.

„Die Bibel als Migrationsbuch“ - mit einem geistlichen Impuls starteten Diakonie-Pfarrerin Dr. Barbara Montag und der Superintendent des Kirchenkreises Oberhausen, Joachim Deterding, in die Konferenz. Ob im Alten oder im Neuen Testament, ob mit Kriegs- oder Hungerhintergrund: Flüchtlingsschicksale zögen sich in verschiedensten Variationen durch die Bibel, betonte Montag. Untermauert mit Material aus der Kriminalitätsstatistik schloss Dr. Elke Bartels, Polizeipräsidentin aus Duisburg, ihren Vortrag „Migration und Sicherheitsaspekte aus polizeilicher Sicht“ an.

Ihrer Ansicht nach verschärfe sich derzeit das gesellschaftliche Klima, der Ton werde rauer. Gewalt gegen Ordnungshüter und andere Uniformierte – wie Notärzte, Rettungssanitäter oder auch Feuerwehrleute – nehme drastisch zu. „Wenn die Polizei eingreifen muss, wenn Regeln nicht respektiert werden, dann ist etwas mit Erziehung und Integration schief gelaufen", unterstrich Bartels. Flüchtlinge aus Krisengebieten spielten aber, polizeilich gesehen, eher eine untergeordnete Rolle.

Die Polizeipräsidentin forderte, den Blick nicht vor der aktuellen Situation zu verschließen, sondern vielmehr Daten und Fakten genau zu analysieren und auszuwerten. Nur so könne der Staat die Migration steuern und im konkreten Fall differenzierte Hilfe anbieten. Ein Beispiel: angemessener Wohnraum, um Ghettobildung zu vermeiden.

„Die Angst vor Terror, vor dem IS, vor der Überforderung durch den Flüchtlingsstrom ist ein denkbar schlechter Ratgeber“, sagte Bartels bilanzierend. Gehe eine solche Furcht doch mit Intoleranz und Gewaltbereitschaft einher. Prof. Dr. Cinur Ghaderi, Psychologin und Trauma-Expertin von der EvH, ging noch einen Schritt weiter und plädierte dafür, „die erlernte Angst gegenüber Fremdem zu überwinden und den Umgang damit zu erlernen“. Der Erwerb einer solchen, so genannten Fremdheitskompetenz sei die Herausforderung einer pluralen Gesellschaft wie der unseren.

Für eine unbedingte Verpflichtung zur Nothilfe für alle, die darauf angewiesen sind, und eine bedingte Verpflichtung zur Integration derjenigen Migrant_innen, die auf Dauer nicht in ihre Heimat zurückkehren können, sprach sich Prof. Dr. Dr. Sigrid Graumann aus. Schaffe dies doch Raum für die Achtung der Rechte der Geflüchteten bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen der Bevölkerung, wie die neue Rektorin der Evangelischen Hochschule sagte.

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