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Aktion Mensch: Kübra Sekin
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Aktion Mensch: Kübra Sekin "vloggt" vom EvH-Campus

Kübra Sekin ist mit ihrer Video-Ausrüstung an der EvH unterwegs. Foto: Gottschick

Wenn Kübra Sekin in einen Raum kommt, dann schaut man hin. Sie ist einer dieser Menschen, die Präsenz zeigen. Durch ihre selbstbewusste, lockere Art, ihr strahlendes Lächeln und ihre wilden Locken. Unwillkürlich überlegt man dann, ob man sie vielleicht aus dem Fernsehen kennt. Und tatsächlich: Arbeitet die EvH-Studentin der Heilpädagogik/Inklusive Pädagogik doch seit drei Jahren als Moderatorin für die „Aktion Mensch“ und hat schon Reportagen fürs ZDF und den WDR gedreht.

Hauptsächlich aber ist sie für „JAM“ im Einsatz: die „Junge Aktion Mensch“ - eine Online-Webshow für junge Leute. Aufgegriffen werden dort Themen wie "Vorurteile, Mut, Toleranz“, wie Kübra Sekin aufzählt. Oder auch "Berührungsängste", die die 27-Jährige mit ihrer neuesten Aufgabe abbauen möchte: einem eigenen Video-Tagebuch auf YouTube. Seit Mittwoch, 29. November, stehen die ersten Teile von "Kübras Vlog" online.

Bachelor hat erste Priorität

Gemeinsam mit ihr, die im Rollstuhl unterwegs ist, fährt man da durch ihren Bochumer "Kiez". Lernt ihr Studentenwohnheim (von innen und von außen) kennen und erfährt, wo die junge Frau am liebsten einkauft. Auch einen Einblick in ihr Studierendenleben gewährt sie interessierten Followern und muss selbst dabei lachen. "Ich studiere Heilpädagogik - und das jetzt schon seit fast sechs Jahren", erzählt sie. Mit Handy, Kamera und Mikro, die an ihren Rollstuhl montiert sind, hat sie daher auch auf dem EvH-Campus gefilmt.

Da sie kein BAföG bekommt, arbeitet sie für ihren Lebensunterhalt viel nebenher. So etwa als Mitglied der mixed-abled Performance-Kompanie "dorisdean" oder auch als Schauspielerin am Theater Hagen. Darüber hinaus hat sie einen Mini-Job als Kauffrau im Gesundheitswesen bei einem Assistenz-Dienst. "Diese Freiberuflichkeit", betont sie, "möchte ich nicht missen." Dennoch sei es jetzt erste Priorität, ihren Bachelor zu machen.

Was zählt, ist der Mensch

Kübra Sekin, bei der Ärzte die Glasknochenkrankheit diagnostizierten, sitzt seit ihrem sechsten Lebensjahr im Rollstuhl. Damit gleichgesetzt werden möchte sie aber nicht. Kürzlich in der U-Bahn wünschte ihr eine ältere Frau "Gute Besserung". Für Sekin keine Begegnung auf Augenhöhe, sondern eine Reaktion aus Mitleid. "Das impliziert doch, dass diese Frau denkt, ich hätte ein schweres Schicksal", erklärt sie ihre Gedanken dazu. Sie selbst sieht das anders. "Ich bin Kübra und sitze im Rollstuhl. Doch der Rollstuhl ist eher Nebensache. Was zählt, ist der Mensch, die Persönlichkeit, der Charakter."

Vor Kurzem war sie auf einer Info-Veranstaltung für Schüler in drei Städten. Die durften Sekin mit Fragen löchern, die sie schon immer einem Rollstuhlfahrer stellen wollten. Über "Wie schläfst Du nachts?" bis hin zu "Welche Spiele hast Du als Kind gern gespielt?" war alles dabei. Kein Problem für die Bochumerin: Gegen ernst gemeinte Fragen hat sie nichts. In ihrem Vlog, der in sieben Folgen jetzt immer mittwochs online geht, will sie gerade jungen Leuten Einblicke in ihr Leben geben und Begegnungen ermöglichen. Denn: "Wenn zehn Leute dieses Video gucken, dann sehen sie das nächste Mal vielleicht mich und nicht den Rollstuhl."

https://www.youtube.com/watch?v=jH_mg9gyqfg

https://www.youtube.com/watch?v=69xG8Eru2-M

https://www.youtube.com/watch?v=KwU_9TUc8c4

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